In den Fesseln von Bermuda

Die österreichische Autorin Michelle Reiter erzählt in ihrem Debütroman In den Fesseln von Bermuda von einer jungen Frau, die durch einen Unfall in eine fremde Welt katapultiert wird. Plötzlich muss die frustrierte Buchhalterin nicht nur um ihr Überleben kämpfen, sondern auch für die Menschen, die sie kennen und lieben gelernt hat.

Ein Gastbeitrag von N. Balnis.

Buchhalterin Michelle möchte sich einen lang gehegten Traum erfüllen und einen Roman schreiben. Der Plot: eine junge Frau stürzt auf dem Weg nach Kuba über dem Bermuda-Dreieck ab und landet in einem fremden Universum. Leider kommt Michelle über diese erste Skizze nicht hinaus. Schließlich macht sie sich selbst auf den Weg nach Kuba, um ihre Schreibblockade zu überwinden. Während des Fluges kommt es über dem Bermuda-Dreieck zu heftigen Turbulenzen. Michelle wird aus dem Flugzeug gerissen und stürzt ins Meer, zur Freude der lokalen Hai-Population. Doch sie hat Glück: ein fliegender Mann mit gewaltigen Flügeln zieht sie gerade noch rechtzeitig aus dem Wasser …

Absturz in eine fremde Welt

Michelle merkt natürlich schnell, dass sie geradewegs in ihre eigene Romanidee gefallen ist. Als ihr Retter, Leandro, sie nach ihrem Namen fragt, nennt sie sich folgerichtig Anastasia, nach der Heldin ihres Buchfragmentes. Aber leider hat Michelle das Buch ja noch nicht geschrieben, also hat sie auch keine Ahnung, was auf sie zukommen wird. Nur in einem ist sie sich ziemlich sicher: in diesem tropischen Inselparadies herrscht Krieg.

„Anastasias“ plötzliches Erscheinen macht Leandro misstrauisch, und so schleppt er sie erstmal mit: Ob sie sich nun als Spionin oder als Geheimwaffe herausstellt, zurücklassen wird er sie nicht. Und so beginnt ein emotionales Gezerre, dass sich durch das ganze Buch zieht: Vertraut er ihr, vertraut er ihr nicht? Wird er sie leidenschaftlich küssen oder eiskalt töten? Anastasia macht bei diesem Gezerre kräftig mit: sie schreit ihn an, sie schmiegt sich an ihn, sie rennt davon, sie kämpft für ihn.

Nichts Halbes, und leider auch nichts Ganzes

Ein Märchenreich im Krieg, da könnte was draus werden, dachte ich. Ruderboote voller Krieger, die nachts lautlos von Insel zu Insel gleiten und die schlafenden Bewohner massakrieren, epische Schlachten auf offenem Meer, Anastasia als unfreiwillige Spionin, düsteres Geheimnisse aus der Vergangenheit – all das hätte ich gerne gelesen. Leider schöpft Michelle Reiter dieses Potential nicht aus, der Krieg findet so gut wie vollständig im Off statt. Und warum überhaupt gekämpft wird, wurde mir bis zuletzt nicht klar.1

Ungefähr nach der Hälfte des Buches verstand ich aber immerhin, dass ich das Genre verwechselt hatte – In den Fesseln von Bermuda ist vor allem anderen eine Liebesgeschichte. Leidenschaft und erotische Spannung gibt es dann auch wirklich zu Genüge. Aber leider ist Anastasias romantischer Held eher eine Sammlung aus Muskeln und Männlichkeits-Klischees als eine echte Persönlichkeit. Und wie die beiden miteinander umgehen, ist auch eher gruselig.2

Alles in allem steckt In den Fesseln von Bermuda voller netter Ideen. Die Städte, in denen Leandros Volk lebt, werden zum Beispiel schön beschrieben. Aber falls Michelle Reiter von ihren Büchern leben möchte, hat sie noch einen langen Weg vor sich. Und es wäre gut, wenn sie auf diesem Weg eine*n neue*n Lektor*in trifft, denn In den Fesseln von Bermuda steckt nämlich leider auch voller Rechtschreib- und Grammatikfehler.

Disclaimer: Fischpott hat ein Rezensionsexemplar von Literturtest erhalten.

1. Auflage, 2018
288 Seiten, Taschenbuch.
Books on Demand
ISBN 9783752839210
€ 12,99

Erschienen am 1. August 2018

  1. Es sei denn, „Ich bin stärker als du“ ist ein Kriegsgrund?
  2. Die Feministin in mir ist nachhaltig verstört. Ich tröste sie mit Mandelkeksen.

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