Juggernaut (18 Stunden bis zur Ewigkeit)

Jetzt steht mal was ganz Altes an. Juggernaut (18 Stunden bis zur Ewigkeit) ist ein Katastrophenfilm aus dem Produktionsjahr 1974. Mit Richard Harris, Ian Holm, Anthony Hopkins (damals noch ohne ‚Sir‘), Omar Sharif und Shirley Knight auch ziemlich prominent besetzt. Warum der Film an der Kinokasse dennoch gefloppt ist, versuche ich mal in diesem Review zu klären.

Langsamer Einstieg

Das fiel mir vor einigen Jahren schon beim erneuten Schauen von Die Hard auf: Heutige Filme sind viel schneller und zackiger inszeniert als die alten Schinken aus den 1970ern und 1980ern. Während damals gern erst nach 30 Minuten die eigentliche Handlung losgeht und man sich vorher eher mit Einführung der Charaktere beschäftigt, muss es heute schon im Vorspann ordenllich krachen. Um bei Die Hard zu bleiben: Hier hätten wir sicher schon vor dem eigentlichen Handlungsbeginn die Terroristen bei den Vorbereitungen beobachten können. Vielleicht sogar schick gegen Bruce Willis Taxifahrt geschnitten. Und bei Juggernaut, der ja noch einiges älter ist, gibt es erstmal ein verschwommenes Bild und die Namen der Darsteller zu sehen. Dann sehen wir die Abfahrt der Britannic, welche sich stark an ihrem realen Vorbild Queen Elisabeth 2 orientiert und eine ganze Menge Gäste boarden das Schiff.

Omar Sharif als Kapitän Brunnel.

Hier werden uns auch die ersten wichtigen Personen vorgestellt. Da hätten wir zum Beispiel Susan McCleod nebst Kindern David und Nancy. Kapitän Alex Brunnel, der gleich noch seine Geliebte Barbara mit an Bord hat. Politiker Corrigan und natürlich die wichtigsten Teile der Besatzung. Ebenfalls direkt aufgefallen ist uns ein ziemlich großer Typ mit Schnauzbart, der immer wieder im Bild ist und eigentlich keine wichtige Rolle spielt. Eine dafür größere Rolle spielt das Wetter beziehungsweise der Seegang. Die See ist nämlich relativ rauh. Nicht ganz so krass wie bei Finest Hours, aber da waren die Schiffe ja auch kleiner. Und dann passiert es, der titelgebende Juggernaut ruft an und die 18 Stunden bis zur Ewigkeit beginnen.

Bomben an Bord

Der Schlingel hat nämlich nicht nur eine Bombe sondern gleich ein ganzes Deck voller Sprengsätze auf die Britanic geschmuggelt. Sein Motiv: eine halbe Million Pfund. Die will er nämlich erpressen. Damit auch wir den Ernst der Lage schnallen, erläutert er seinen Plan, seine Forderung und die Folgen bei Ungehorsamkeit auch erstmal gaaaanz langsam. Also wirklich gaaanz langsam. Laaaaaaangsam. Immerhin lässt er zur Unterstreichung seiner Ernsthaftigkeit erst mal ein Bömbchen hochgehen. Natürlich soll keiner der Passagiere gefährdet werden und so, jedenfalls nicht bei der Drohbombe.

Für die Menschen der Reederei steht fest: Wir zahlen, alles ist besser als 1200 Passagieren zu gefährden. Sieht die britische Regierung natürlich anders. Man verhandelt nicht mit Terroristen, ganz egal ob Araber, IRA oder sonstwer. Und der Mann, der diese echte Bredouille am besten umschiffen kann ist ganz klar Sprengstoffexperte Anthony Fallon. Dieser und sein Team werden in Juggernaut (18 Stunden bis zur Ewigkeit) ganz stilecht mit einer fetten Miltärmaschine in der Nähe des Schiffs abgeworfen und dann beginnt auch schon der Nervenkitzel.

Spiel in der Kammer

Harris als Sprengstoffexperte Fallon.

Und der besteht nicht, wie das Cover und die Trailer suggerieren, aus jeder Menge Action. Nein, hier geht es eher darum, die Bomben zu finden und zu entschärfen, während an Land versucht wird, den Erpresser dingfest zu machen. So gibt es natürlich diverse Fehlversuche auf beiden Seiten und es kommt Panik unter den Passagieren auf. Inzwischen hat der Kapitän natürlich die Reisenden informiert und es wird alles getan, um von der unangenehmen Situation abzulenken.

Juggernaut (18 Stunden bis zur Ewigkeit) basiert lose auf wahren Tatsachen. So gab es in der Tat eine Erpressung eines Passagierschiffes ähnlichen Ausmaßes. Nur dass sich diese in der Realität als Fake herausgestellt hat. Im Film sind natürlich Bomben an Bord und es wird natürlich nicht erklärt, wer diese dort untergebracht hat. Sicher nicht der Juggernaut persönlich und allein. Dazu sind diese Bomben viel zu groß. Gedreht wurde auf einem echten Schiff auf hoher See, nämlich auf der Hamburg. Die Statisten durften gratis bei der Überführung des Schiffes an die Schwarzmeer-Seereederei der damaligen Sowjetunion mitfahren. Auch das Unwetter ist größtenteils echt, man ist absichtlich in stürmische See gestochen.

See- und Sehgewohnheiten

Wie ja bereits oben erwähnt entspricht Juggernaut (18 Stunden bis zur Ewigkeit) nicht mehr ganz unseren Sehgewohnheiten. Der Film ist wirklich sehr langsam inszeniert. Ich würde sagen, man kann locker 20 Minuten kürzen ohne was Wesentliches zu verpassen. Auch die einzelnen Charaktere waren mir eher egal. Es wurde zwar versucht, diese gründlich einzuführen, aber dies ist nur selten gut gelungen. Dafür gab es kaum Musik. Der Film kommt wirklich fast ohne Musik aus. Bei heutigen Filmen wird man quasi zugekleistert mit Musik, Melodien und so weiter. Ich denke aber, das fällt mir nur so deutlich auf, weil ich nicht mehr so oft Klassiker schaue. Bei asiatischen Filmen gibt es teilweise auch eher spärliche Musik und da stört mich das auch nicht.

An Land wird die Bombenentschärfung synchron per Hand nachverfolgt.

Und bei heutigen Filmen gibt es viel mehr nervige Charaktere. Die Teenies, die mit dem Smartphone ihre an Land gebliebenen Geschwister nerven. Die Idioten, die sich beschweren, weil es auf hoher See kein Netz gibt. Die Deppen, die aus jedem Mist einen Found-Footage-Film machen müssen. Und so weiter. Da ist Juggernaut (18 Stunden bis zur Ewigkeit)  nicht nur wegen des damaligen Zeitgeistes und des technischen Fortschrittes zum Glück eher bodenständig. Dennoch hat der Spannungsaufbau für mich nicht so recht funktioniert. Bombenentschärfen inklusive roten und blauen Drähten ist halt nix mehr.

Juggernaut (18 Stunden bis zur Ewigkeit)  – Fazit

Ganz so schlecht war es dann aber nicht. Cheffe Fabian fand den Film sogar recht gut, sein Fazit war „In den 1970ern wußten die noch, wie man gute Filme macht.“1 Ja, kann sein. Immerhin sind Alien, Texas Chainsaw Massacre, Dawn Of The Dead und Suspiria allesamt aus dem 1970ern. Passt also. Juggernaut (18 Stunden bis zur Ewigkeit)  kann da aber leider nicht mithalten. Dafür hab ich gerade spontan Lust, mal wieder Die Wildgänse kommen zu schauen. Der fängt zwar auch sehr laaaangsam an, hat aber viel Action und einen noch promienteren Cast als Juggernaut. Quasi das 70er-Jahre-Gegenstück zu den Expendables. Ich hab scherzhaft überlegt, Juggernaut mal drei kompett verschiedenen Regisseuren zu geben. Sagen wir Michael Bay, Terry Gilliam und Eli Roth. Und jeder darf seine eigene Version drehen, darf aber nur Material aus dem Film verwenden. Fände ich spannend.

Juggernaut (18 Stunden bis zur Ewigkeit) kann neben den Standardveröffentlichungen auch als schickes Media-Book erworben werden. Da sind dann DVD und Blu-Ray enthalten und es gibt noch jede Menge Informationen in Form eines eingebundenen Booklets. Für Sammler und Fans klassischer Filme sicher was. Leider hat der englische O-Ton keine Untertitel, dafür ist der deutschen Tonspur neben dem klassischen Stereo 2.0 noch eine DTS-Spur spendiert worden. Die Bildqualität ist für so einen alten Film wirklich super, hier stimmt wirklich alles.

Fischpott-Disclaimer: Wir haben das Mediabook als Rezensionsexemplar von justbridge entertainment erhalten.

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  1. Anmerkung von Fabian: Und die Filmkritik gibt mir recht, wie man auf der Wikipedia-Seite des Films nachlesen kann. Wenn man sich drauf einlässt, akzeptiert man auch die angeblichen Längen, die dem Film vorher unterstellt wurden. Aber das ist nur meine persönliche Meinung.

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