The Good Place – Staffel Eins

The Good Place? The best Place!

Es hatte ein bisschen was vom Weißen Hai. Seit Serienstart 2016 tauchten in meiner Filterblase immer wieder Artikel-Überschriften zu The Good Place auf, die ich aber aus Spoilergründen links liegen gelassen habe. Immerhin haben die Überschriften angedeutet, dass die Serie wohl keine schlechte ist. Weit gefehlt. Sie ist brillant.

Bei einem Urlaub in Spanien1 hatte ich dann das Glück und dank diverser Regenfälle auch die Gelegenheit, die Serie bei Netflix2 zu sehen.

The Good Place beginnt damit, dass Eleanor Shellstrop (Kristen Bell) im Jenseits an einen Ort gelangt, der euphemistisch ‚The Good Place‘ genannt wird. Jede Religion hatte ungefähr zu fünf Prozent recht, als sie diesen Ort beschrieben hat, erklärt Michael (Ted Danson). Er ist der Architekt dieses Ortes und so etwas wie ein Engel – oder besser ausgedrückt ein außerdimensionales Wesen, das nur sehr unzureichend mit seinem menschlichen Körper vertraut ist.

Wrong Place

Der Clou – und hier kommt eine erste kleine Spoiler – ist: Eleanor hat diesen Aufenthalt nicht verdient. Es kam zu einer Verwechslung und an der Stelle einer Menschenrechtsaktivistin ist ein selbstverliebtes, egoistisches Trash Girl im Himmel gelandet. Hier wird ihr auch ihr ihr Seelenverwandter vorgestellt: Chidi Anagonye (William Jackson Harper), ein senegalesischer Professor für Ethik. Eleanor vertraut sich Chidi an, allerdings erst, nachdem sie ihm das Versprechen abgenommen hat, immer für sie einzustehen. Der so gezwungene Chidi schlägt vor, Eleanor in Ethik zu unterrichten, damit sie wirklich ein besserer Mensch wird und sich so ihren Aufenthalt im Good Place verdient. Im Verlauf der Serie lernt nicht nur die eigentlich ganz kluge und empathiefähige Eleanor sondern auch das Publikum etwas über Kant, Utilitarismus und Moralphilosophie.

Weitere Protagonisten von The Good Place sind unter anderem Tahani (Jameela Jamil), eine Oberschicht-Engländerin, die Milliarden an Charity-Geld gesammelt hat und Jianyu (Manny Jacinto), ein chinesischer Mönch, der ein Schweigegelübde abgelegt hat. Das klingt nach einer bizarren Konstellation für eine Comedy-Serie und erweist sich schon nach den ersten Folgen als goldrichtig. Denn in jeder Episode erleben wir ungemein komische Rückblenden, die das Leben der Charaktere vor dem Tode zeigen. Außerdem gibt es noch Janice (D’Arcy Carden). Sie ist das Kernstück des Good Place, eine Art interdimensionaler Computer in Menschengestalt. Die Bewohner des Good Place müssen nur laut ihren Namen sagen und sie erscheint sofort, manchmal auch direkt hinter einem. Und erfüllt so ziemlich alle Wünsche – auch wenn sie die menschliche Natur nicht so ganz versteht.

Achtung, Giraffenplage!

Dazu kommt, dass die Anwesenheit von Eleanor im Good Place einen schlechten Einfluss auszuüben scheint. Denn schon bald geschehen Dinge, die im Himmel einfach nicht passieren sollten (beispielsweise eine Giraffenplage). Der dadurch auf Eleanor lastende Druck, wirklich ein guter Mensch zu werden, spielt die ganze erste Staffel über eine wichtige Rolle, aber um die Serie in ihrer Gesamtheit zu preisen muss leider gleich ein Spoiler folgen. Aber vorher möchte ich darauf hinweisen, dass es sich unglaublich lohnt, The Good Place zu gucken. Die Protagonisten sind mehrschichtig und deswegen so interessant, werden von wunderbaren Schauspielern gespielt, es gibt hervorragende Drehbücher und den einen oder anderen Twist. Deswegen empfehle ich, jetzt sofort mit dem Lesen aufzuhören, The Good Place zu gucken und dann nach dem Spoiler weiterzulesen.





SPOILER





Ja, der Good Place ist in Wirklichkeit ein innovativer Bad Place. Diese Enthüllung hat mich unglaublich geflasht. Dabei hat sich der Twist, wie jeder gute Twist, schon die ganze Zeit angekündigt. Bereits nach ein paar Episoden war klar, dass der Good Place für unsere vier Protagonisten kein schöner Ort ist. Aber natürlich passt es einfach zu unseren Erfahrung mit handelsüblichen Comedy-Serien, dass wir Ungereimtheiten ausblenden oder mit achselzuckend als Notwendigkeiten des Genres hinnehmen. Natürlich ist klar, dass Tahanis Motive in erster Linie eigennützig sind und dass es außer Eleanor mit Jason einen zweiten ‚Irrtum‘ geben soll hat auch Verdacht erregt.

Die Hölle, das sind die anderen

Also befinden sich Eleanor, Chidi, Jason und Tahani in der Hölle. Einer Hölle, die im wahrsten Sinne daraus besteht, dass sich die Menschen gegenseitig quälen3 passt wiederum verdammt gut mit dem Konzept der meisten Comedy-Serien4 zusammen. Das wird noch einmal subtil unterstrichen, wenn Michael davon erzählt, dass er sich Friends angesehen hat, um „Menschen besser zu verstehen“. Missgünstige, niederträchtige Menschen sind sich ihrer Schlechtigkeit nicht bewusst und fügen sich permanent gegenseitig Leid zu. Das macht The Good Place nicht nur zu einer guten Comedy-Serie sondern auch zu einem großartigen Kommentar über Comedy-Serien.

Außerdem verrät The Good Place etwas über unsere Wahrnehmung von Klassenunterschieden. Denn während wir nicht daran zweifeln, dass die Trash-Menschen (und US-Amis) Eleanor und Jason zu recht in der Hölle schmoren, sind Tahani und Chidi als reiche Erbin und als Universitätsprofessor über jeden Zweifel erhaben. Das dazu noch eine ganz selbstverständlich ethnisch breit aufgestellte Schauspielriege kommt, zeigt, dass The Good Place aktuell eine der besten Comedy-Serien und definitiv eine Pflichtvidüre ist.

  1. Also eigentlich auf einer Insel im Atlantik, die aus kolonialgeschichtlichen Gründen trotz aller geografischen Realität zu Spanien gehört.
  2. Was in Deutschland (noch) nicht möglich ist
  3. und sich somit als Serien-Version von Sartres Geschlossener Gesellschaft entpuppt
  4. I’m looking at you, Big Bang Theory.
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Über Fabian

Fabian Mauruschat ist Journalist, Blogger, Nerd und Monster-Experte. Er lebt irgendwo zwischen Ruhr, Rhein und bergischem Land. Hier arbeitet er als Gamesjournalist und Autor, unter anderem für Spiegel Online, das Stadtmagazin coolibri und das Games-Magazin WASD. Außerdem mag er Bücher, Spiele und Tiere, würde aber nie welche essen.

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