Das Leben der Säugetiere (DVD-Box)

David Attenborough trifft die warmblütig Haarigen, die Milch spenden

Vielleicht haben wir nicht so viele Haare wie die meisten von ihnen, aber Säugetiere, das haben wir schon in der Schule gelernt, sind unsere nächsten Verwandten. Verwandter jedenfalls als Echsen, auch wenn wir sogar von denen noch ein wenig in uns tragen. Nicht allen Säugern fühlen wir uns gleich nah, mit Hunden scheint uns mehr zu verbinden als mit dem Barbirusa, dieser indonesischen Gattung der Schweineartigen. Und nicht allen sind wir tatsächlich so nah wie Schimpansen, Gorillas und Orang Utans. Wir legen zum Beispiel keine Eier wie der australische Schnabeligel, das wohl älteste Säugetier der Welt. Auch stecken wir unseren Nachwuchs nicht in Bauchtaschen wie Koala, Wombat oder Yapok, diese schwimmende Art der Beutelrattenfamilie. Nein, wir halten es doch mehr wie Eisfuchs, Pfeifhase oder Goldmull: Wir sind Plazentatiere. Die gehören zu den Höheren Säugetieren, und mit denen beschäftigt sich Das Leben der Säugetiere hauptsächlich.

Mit Sir David Attenborough rund um die Welt

Sir David Attenborough ist Tierfilmer und Naturforscher durch und durch. Dem jüngeren Bruder des Regisseurs und Schauspielers Richard Attenborough kam gar schon die Ehre zuteil, Namensgeber für neu entdeckte Arten zu sein. So heißen nicht nur eine fossile Fischart und eine fleischfressende Pflanze nach ihm, sondern auch der Attenborough-Langschnabeligel (Zaglossus attenboroughi), von dem allerdings nur ein einziges Exemplar bekannt ist. Im Auftrag der BBC reiste der Engländer rund um die Welt, um einen möglichst umfangreichen Ausschnitt der unterschiedlichen Säugetierarten vor die Linse zu bekommen. So treffen wir mit ihm nicht nur die üblichen Verdächtigen wie Elefant, Tiger und co, sondern auch eher unbekannte Arten wie besagtes Barbirusa oder diesen Schnabeligel. Die insgesamt zehn Teile à 42 Minuten der BBC Earth-Serie folgen dabei der Entwicklungsgeschichte unserer biologischen Klasse: Nach einem ersten Überblick, der über die Vorstellung der eierlegenden Ursäuger und der Beuteltiere seinen Weg zu den Höheren Säugetieren findet, folgen neun weitere Teile, die sich von Insekten- über Pflanzenfressern, Nagetieren, Fleisch- und opportunistischen Allesfressern, im Wasser und auf Bäumen Lebenden bis hin zu den Menschenaffen und schließlich dem Menschen vorarbeiten. Diese Unterteilung funktioniert sicherlich nicht immer trennscharf. So wären wir Menschen natürlich auch schon in der Folge der opportunistischen Allesfresser der Erwähnung wert gewesen (mit Ausnahme natürlich von uns Vegetariern und Veganern, aber für die gibt es ja auch eine Folge). Dennoch erscheint mir die Erzählstrategie durchaus sinnvoll und vor allem auch abwechslungsreich. Mit jedem Unterkapitel besuchen wir die unterschiedlichen Lebensräume, reisen von Alaska also mal in den Regenwald Südostasiens, um dann die Savanne Afrikas oder die Wälder Kanadas zu besuchen. So wird es auf jeden Fall nie eintönig.

Das Leben der Säugetiere undramatisch erzählt

Wer sich gerne und öfter Tierdokumentationen anschaut, hat sicherlich schon die ein oder andere Löwenjagd oder Szene Werkzeug nutzender Affen gesehen. Immer auf der Jagd nach Neuem mag es da dem ein oder anderen so ähnlich gehen wie beim Zoobesuch: Wenn außer intensivem Nichtstun nichts passiert, ist es mit der Begeisterung für Tiere schnell vorbei. Nicht jeder weiß diese zur Schau gestellte Entspannung zu schätzen. Aber ob nun Raubkatze oder Affe: Dummerweise ändern nur wenig Arten ihren Lebensstil und ihre Strategien in einem solchen Maße, dass es ständig was Neues zu erzählen gäbe. Nicht umsonst haben Tierfilmer damit begonnen, spektakuläre Techniken einzusetzen (wie zum Beispiel bei Aug in Aug mit den Eisbären; ein sehr ähnliches Attrappen-Prinzip hat der Tierfilmer John Downer auch in Pinguine hautnah angewandt). Andere setzen auf dramatisierte Erzählweisen, die bald was von Doku-Soaps haben (siehe zum Beispiel Schimpansen) oder geben den Tieren sogar Stimmen wie in Die Reise der Pinguine. Eine andere Strategie ist es, Tieren eine Bühne zu geben, die wir (so) wahrscheinlich noch gar nicht kennen. Das Leben der Säugetiere setzt nun auf eine gute Mischung aus Bekanntem und noch Unbekanntem und bleibt in seiner Erzählweise old school: David Attenborough ist immer wieder an den einzelnen Schauplätzen zu sehen, erzählt dann in die Kamera, bleibt ansonsten der unaufgeregte Off-Erzähler. Ich persönlich kann damit sehr viel anfangen: Ohne übertrieben wissenschaftlich zu werden, bleibt die Erzählabsicht immer eine der Informationsvermittlung und orientiert sich dabei eben an der Entwicklungsgeschichte der Säugetiere, kürzere Animationssequenzen inklusive. Das habe ich so in der Tat noch nicht gesehen. Und damit erscheint auch die Löwenjagd oder die Werkzeugnutzung einer Affenbande durchaus wieder interessant.

David Attenborough posiert mit einigen Erdmännchen in der Wüste.

Igel tun es tatsächlich … sehr vorsichtig

Natürlich schlägt mein Herz immer besonders hoch, sobald ein Orang Utan meine Mattscheibe betritt. Und auch das Antlitz eines sibirischen Tigers ist für mich immer wieder großartig – so hat wahrscheinlich jeder seine Favoriten, meine tragen nun mal rotes Fell. Ich kann mich aber auch sehr darüber freuen, wenn ich für mich vermeintlich weniger attraktive Tiere in Aktion sehe, die ich so noch nicht gesehen habe. Zum Beispiel habe ich noch nie einen Biber beim pedantischen Ausbau seines Damms beobachten können und wusste auch nicht, dass er dies zwecks Bevorratung im Kühlschrank des aufgestauten Sees macht. Ich hatte keine Ahnung, dass Stinktiere nicht nur selbst stinken, sondern auch kein Problem mit den für die meisten anderen Säuger hochgiftigen Exkrementen von Fledermäusen haben, deren Kinder sie gerne verspeisen. Oder dass der Nährstoffbedarf manche Elefanten zu wagemutigen Höhlenforschern gemacht hat. Auch kann ich jetzt erst mit Gewissheit sagen, dass die Paarung von Igeln tatsächlich sehr vorsichtig vonstattengeht. Glattwale hingegen, die dank ihrer Hautwucherungen gar nicht so glatt sind, gehen da schon weniger zurückhaltend vor. Was vielleicht auch damit zu tun hat, dass die Männchen wahrlich gut ausgestattet sind. Aber wen wundert das bei einer Körpergröße von bis zu 18 Metern.

Diese kleinen (und großen) Erkenntnisse ließen sich nun nahezu unendlich fortführen. Schon mal Seehunden beim Chorgesang zugehört? Oder nordamerikanischen Flussdelphinen beim Fische-ans-Ufer-Schubsen beobachtet, sich gar von Klappmützen beim Ausklappen der Mütze beeindrucken lassen? Das Leben der Säugetiere ist so derart vielfältig, da ist wirklich für jeden Tierfan etwas dabei. Und wenn dann Sir David Attenborough auch noch die Bötchen fahrenden und sich selbst mit Seife waschenden Orang Utans besucht, die wir schon dank der Affenwelten kennen, ist zumindest meine kleine Tierdokumentationswelt perfekt.

Fischpott-Disclaimer: Wir erhielten die DVD-Box von Polyband zur Rezension.


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Über Britta

Britta Kretschmer ist Online-Redakteurin, Autorin und Ex-Wissenschaftlerin. Britta lebt und arbeitet seit vielen Jahren in Köln. Das Webgrrl gestaltet Wordpress-Blogs, berät in Sachen Texten für Social Media und veröffentlicht unter www.mehr-welten.de Nachrichten einen Jugendthriller, in dem es um Medizin, Politik und Physik geht. Britta mag Bücher, Filme und Rockmusik und liebt Orang-Utans.

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