Der Zauberlehrling

Johann Wolfgang von Goethes Ballade Der Zauberlehrling ist sicherlich eins der bekanntesten Werke des großen Dichters, allein schon aufgrund der verschiedenen Interpretationen in anderen Kunstformen (zum Beispiel in Walt Disneys Phantasia) und aufgrund einer bestimmten, oft falsch zitierten Passage („Die ich rief, die Geister, werd´ ich nun nicht los.“). Was passiert aber, wenn das ZDF sich in seiner Reihe Märchenperlen dieses Stoffs annimmt?

Der Reiz der Zauberei

Valentin (Max Schimmelpfennig) kommt in die Stadt, um dort sein Glück zu finden. Als der Wind ihm einen Zettel vor die Füße weht, laut dem der örtliche Magier einen Zauberlehrling sucht, glaubt er, sein Schicksal gefunden zu haben. Doch trotz Talents wird er von Ambrosius (Christoph Bach), dem Zaubermeister der Königin, zugunsten der jungen Katrina (Pauline Rénevier) abgewiesen. In seiner Verzweiflung findet er Unterschlupf beim Apotheker Zacharias, der zwar ebenfalls mal gezaubert hat, der Magie jedoch abgeschworen hat. Valentin beschließt, die arkane Kunst im Selbststudium zu erlernen, wobei Katrina ihm immer wieder unter die Arme greift. Dies bleibt jedoch nicht ohne böse Folgen, und irgendwann versteht Valentin auch, was Zacharias von seinem ursprünglichen Lebenspfad abgebracht hat.

Valentin (Max Schimmelpfennig) beim magischen Selbststudium.

Das kindgerechte Mittelalter

Wenn eine Geschichte als Märchen im Fernsehen erzählt wird, dann kann man sicher kein realistisches Bild des Mittelalters erwarten. Folgerichtig werden die Epochen der Bauten und Kostüme immer wieder fröhlich durcheinander gewürfelt, was jedoch die meistenteils kleinen Zuschauer sicher nicht stören dürfte. Ansonsten läuft zwar für Sekunden ein Pestarzt durch die Stadt, die noch dazu von Ratten überlaufen ist, und Valentin darf sich auch mal im Dreck suhlen, aber im Allgemeinen ist die Welt des Films sauber und kindgerecht märchenhaft gehalten. Gedreht wurde übrigens größtenteils in der sächsischen Stadt Görlitz, die für ihre gut erhaltene historische Bausubstanz bekannt ist.

Von einer Fernsehproduktion kann man natürlich keine großen Schauwerte erwarten, doch da, wo es nötig ist, wird auch mal in die Special-Effects-Trickkiste gegriffen, so dass beispielsweise der lebende Besen (das sicherlich bekannteste Motiv der Original-Ballade) durchaus glaubwürdig, wenn auch nicht übermäßig brillant daherkommt. Keiner der enthaltenen Effekte ist jedoch so störend, dass er dem Zuschauer den Genuss des Films vermiest.

Der lebende Besen – immer der Hauptgegner des Zauberlehrlings!

Schade ist jedoch, dass auf der DVD nur ein kurzes Statement zweier Schauspieler enthalten ist, obwohl durchaus weiteres offizielles Material vorhanden gewesen wäre, das ich mir erst mühsam auf YouTube zusammen suchen musste. Ich hätte eigentlich erwartet, solche kurzen Making-Ofs direkt auf der DVD zu finden.

Eine kleine Warnung übrigens: der Trailer des Films verrät so ziemlich alle Wendungen der Handlung und sollte tunlichst vermieden werden; außerdem zeichnet er ein übertrieben düsteres und somit unpassendes Bild des Films.

Inspiriert von Johann Wolfgang von Goethe?

Wenn man sich das zugrundeliegende Werk Goethes ansieht, so erkennt man, dass dieses vor allem aus einer Szene mit einem lebenden Besen besteht, der von einem überheblichen Zauberlehrling erweckt wird und das Labor des Zauberers beim Putzen überflutet. Will man also einen ganzen Märchenfilm aus dieser kargen Vorlage machen, muss man noch einiges drum herum erfinden.

Der Zauberlehrling Valentin (Max Schimmelpfennig), Altmeister Zacharias (Felix von Manteuffel) und Königin Anna (Sandra Borgmann) am glücklichen Ende.

Und genau das haben die beiden Autoren des Films getan. Anja Kömmerling und Thomas Brinx, gestandene Recken des ZDF-Kinderfilms, haben eine Geschichte um Macht und Verantwortung, um Wissen und Unwissen verfasst, sind also durchaus dem Grundgedanken von Goethes Werk treu geblieben. Trotzdem haben sie dabei nie ihr Publikum aus den Augen verloren. Zwar ist so mancher Zauberspruch der Ballade direkt entnommen oder lehnt sich zumindest daran an, doch diese nur selten aufblitzende altertümliche Sprache wird die Kinder sicher eher ansprechen als überfordern.

Das Ergebnis ihrer Bemühungen ist ein gelungener, moderner Märchenfilm für junge und junggebliebene Fans, wie man ihn von den Märchenperlen oder dem ARD-Äquivalent Sechs auf einen Streich nun mal kennt, den man also durchaus auch mit kleinen Kindern gucken kann. Und mehr darf man von einem Film mit diesem Produktionshintergrund sicher nicht erwarten.

Der Zauberlehrling ist am 19. Oktober 2018 als DVD erschienen.

Disclaimer: Wir haben ein Rezensionsexemplar der DVD von der Firma justbridge entertainment erhalten.

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Über Ralf

Ralf Sandfuchs ist seit Jahrzehnten als Hobby-Schreiberling unterwegs. Glücklich, wenn auch erfolglos war er als Journalist für verschiedene Zeitschriften und Medienportale tätig, hat sich aber auch als Autor von Spielen, Rollenspielen und Kurzgeschichten versucht. Er spürt, dass irgendwo in ihm der große Roman lauert, der rausgelassen werden möchte. Ansonsten wohnt er im angeblich realen Leben als harmloser Anwendungsentwickler in einer unauffälligen Doppelhaushälfte mit seiner leidensfähigen Ehefrau.

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