Die große Heinz Rühmann-Box

Vier Filmklassiker des berühmten Schauspielers erscheinen erstmals digital remastert in einer Sammelbox.

Drei Männer zusammen sind immerhin so gescheit wie eine Frau

Die große Heinz Rühmann-Box

© Universum Film GmbH

Heinz Rühmann ist wohl einer der bekanntesten, aber auch einer der umstrittensten Schauspieler Deutschlands. Nachdem er zuerst erfolgreich am Theater arbeitet, erlangt er schließlich deutschlandweite Bekanntheit durch die Komödie Die Drei von der Tankstelle. In seiner weiteren Karriere wird er als Quax der Bruchpilot geliebt, spielt in zahlreichen Romanzen und Schenkelklopfern, sowie einigen geschickt seichten, gerne als Propaganda dargestellten Filmen mit, bis ihn Die Feuerzangenbowle unsterblich werden lässt. All dies geschieht vor dem Hintergrund des Nationalsozialismus‘, zu dem er sich nie kritisch äußert. Im Gegenteil – Er pflegt sogar gute Beziehungen zu Goebbels und später auch zu Göring. Ebenso trennt er sich von seiner jüdischen Frau, wobei sie durch eine neue Heirat der Ermordung entkommen kann.

Die Großen fängt man, die Kleinen lässt man laufen

Die Filme, die nun in der Box zusammen erscheinen, bilden einen recht guten Querschnitt seiner darstellerischen Laufbahn und Leistung ab. Die Liebes-Komödie Die drei von der Tankstelle und die Kriminal-Komödie Der Mann, der Sherlock Holmes war zeigen ihn eher als tollpatschigen jungen Kerl, den man knuddeln möchte. Im ersten Film gibt es viel Gesang (u.a. „Ein Freund, ein guter Freund“ von Werner Richard Heymann ud Robert Gilbert), Stepptanz und Frohlocken, im zweiten dafür mehr Spannung und eine recht liebenswerte Darstellung Rühmanns als Dr. Watson. Die Filme sind eher leichte Kost, die für Unterhaltung sorgen sollten.
Dass fast alle anderen Darsteller*innen und Mitarbeitenden an den Filmen aus Deutschland fliehen mussten oder sogar von von Nazis ermordet wurden, erfährt man aus den beiliegenden Infobroschüren und hinterlässt einen recht faden Beigeschmack.

Sogar Frauen können fliegen

In Quax, der Bruchpilot mimt Rühmann zwar erneut den liebenswerten Trottel, doch hat der als „heitere Sportfliegerkomödie“ angedachte Streifen recht viele unterschwellige Seitenhiebe auf die NS-Führung zu bieten. Die Nazis wollten ihn als Propaganda-Film sehen, doch eigentlich verweigert er sich dessen vehement und veralbert von vorne bis hinten jegliche Autoritätspersonen.
Im starken Kontrast dazu steht Der Jugendrichter von 1960. Hier beweist Rühmann in einem eindrucksvollen Drama, dass er auch ernsten Rollen gerecht wird. Es ist unverkennbar, dass er nach den vielen immergleichen Rollen und Klischees nun anspruchsvollere Filme machen wollte. Die väterliche Figur des Richters, der der Jugend helfen will, statt sie nur zu bestrafen, zeigt, dass er seiner Zeit weit voraus war. Denn auch die Hilflosigkeit der Jugendlichen, ihre Perspektivlosigkeit nach dem Krieg und ihre nötige Emanzipation sind wesentliche Themen des Films.

Sonst wollt ihr immer als Erwachsene behandelt werden

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Heinz Rühmann-Box einen guten Überblick über  das Schaffen des Schauspielers bietet und sowohl für Fans als auch für Neugierige geeignet ist. Die Booklets sind informativ, scheuen nicht vor kritischen Inhalten zurück und bieten einen guten geschichtlichen Rahmen. Bei 3 von 4 Filmen sind zusätzlich noch Original-Trailer auf den DVDs enthalten. Eventuelle Interviews hätten die Sammlung noch abrunden können, aber das ist der einzige Wermutstropfen, der zu finden ist.

Disclaimer: Fischpott hat ein Rezensionsexemplar der DVD-Box von der S&L Medianetworx GmbH erhalten.


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