Summer of 84

Retro ist ja gerade wieder voll in. Insbesondere die 1980er Jahre. Das dachte sich auch das Filmemacher-Kollektiv RKSS (deren Turbo Kid uns ja durchaus gefallen hat) und legt mit Summer of 84 den nächsten Kracher vor. Ob dieser dann aber wirklich zündet oder nur verpufft klären wir mal besser im Review.

Synthies, BMX und Vorstadthölle

Davey, Tommy, Dale und Curtis leben in der beschaulichen Vorstadt von Ipswich ein typisches Teenager-Leben. Heißt: Sie hängen im Baumhaus ab, spielen abends Fangen (im Film Manhunt genannt) und interessieren sich für schlüpfrige Heftchen. Und da gerade Sommer ist können sie diesen Hobbies auch nahezu unbegrenzt frönen. Doch wie Davey schon im Off-Kommentar andeutet, ist in der Vorstadt nie alles so heile wie es die Kulisse so andeutet. So auch hier. 13 Kinder sind verschwunden beziehungsweise ermordet worden und als Täter hat sich der Cape May Slayer geoutet. Und Davey ist überzeugt, dass dieser in Form des Polizisten Wayne Mackey (bekannt aus Mad Men und leider nicht Jahrgang 1984: Rich Sommer) in unmittelbarer Nachbarschaft lebt.

Mehr Achtziger geht nicht: Die Gang.

Dazu muss man wissen, dass Davey höchst begeistert von diversen Verschwörungstheorien ist. Ich mein, wer ist das nicht, aber Davey ist schon eher besessen von Aliens, Nazi-Mondbasen und eben Serial-Killern direkt nebenan. Schließlich muss so ein Killer ja auch irgendwo wohnen, logisch. Gut, Mackey benimmt sich auch höchst verdächtig: Er kauft tonnenweise Erde und Gartenwerkzeuge sowie Natriumhydroxid ein. Im Keller ist ein Raum verdächtigerweise mit einem Vorhängeschloss gesichert. Er verlässt jeden Tag um 23 Uhr das Haus zum Joggen. Da muss doch was faul sein! Leider steht Davey mit dieser Meinung eher alleine da, aber da gerade Sommer ist und man nix zu tun hat macht man halt mit.

Ist ja ein Ding, das hab ich doch alles schon mal gesehen!

Die Handlung von Summer of 84 ist dabei wirklich alles andere als innovativ. Die 4 Freunde könnten auch so ähnlich in den Billig-Versionen von E.T., Stranger Things, Es, Goonies, Stand by me oder A Nightmare on Elmstreet vorkommen. Hier wie dort haben wir es dann auch mit einigermaßen schlau agierenden Jugendlichen und eher dümmlichen Erwachsenen zu tun. Die Handlung hab ich in Meine teuflischen Nachbarn (Original: The ’Burbs) oder Das Fenster zum Hof (Original: Rear Window) so ähnlich auch schonmal  gesehen. Und leider ist die Umsetzung als Retro-Thriller mit jugendlichen Helden auch nicht so richtig gelungen. Der Film wirkt die ganze Zeit, als ob die Macher sich nicht von unnötigen Szenen trennen konnten. Das Bild ist zwar recht natürlich beleuchtet, sieht dafür aber auch leider aus wie ein altes VHS aus den 80ern.

Dazu kommt, dass der Summer of 84 nicht wirklich spannend ist. Die Story kommt nicht richtig in Fahrt, statt cooler Ideen (wie der Polybius-Automat in einer Szene) wird oft nur angeteasert ohne dass was passiert. Charaktere wie das Nachbarsmädel tauchen ohne größere Vorwarnung auf und Nebenfiguren bleiben blass. Das ist zwar bei anderen Filmen auch so, fällt hier aber mehr auf. Zumal die einzelnen Szenen oft relativ leer bleiben. Da stöbern die Jungs abends im Müll des Nachbarn rum und benehmen sich dabei recht auffällig. Konsequenzen hat das aber nicht. Es werden öfter Waschbären als Unruhestifter genannt, aber es taucht nichtmal als Gag mal einer auf. Und dann gibt es noch ein durchaus gut gemachtes Finale, das aber aufgesetzt und unnötig wirkt.

Ist dieser Cop ein Mörder? Rich Sommer als Wayne Mackey in Summer of ’84 von Francois Simard, Anouk Whissell and Yoann Whissell. Courtesy of Sundance Institute | photo by JP Bernier.

Summer of 84 – bitte nicht noch Winter of 94 oder Spring of 2014!!

Natürlich wird auch noch ein Sequel angedeutet. Dies wird wohl eher nicht kommen, aber allein die Andeutung hat gereicht. Ich will kein Sequel. Mir egal wie verklärt gerade meine Generation die 1980er sieht! Außerdem gibt es inzwischen genug Retro-Serien und Filme mit der Thematik. So toll war die Zeit auch nicht. Klar, damals waren die Böller lauter, die Eltern nicht so helikopterisch und die Sommerferien endlos. Auch ich hatte eine ganz gute Kindheit in dieser Zeit. Und gut gemachte Filme, die dieses Feeling wieder aufleben lassen schau ich mir auch gern an. Wie Super 8 oder den neuen Es. Der Summer of 84 ist aber zum Glück nach 105 Minuten vorbei. Da hilft auch der – wenn er mal eingesetzt wird – tolle Synthie-Soundtrack von Le Matos nicht viel.

Wir haben die Blu Ray geschaut. Diese hat deutschen und englischen Ton, ebensolche Untertitel und ist ab dem 26.10.2018 erhältlich. Der Film hat auch einen limitierten Kinostart und ist als Retro-Edition im VHS-Look seit dem 06.10.2018 zu haben. Ein Beta oder noch besser Video-2000 Look hätte dem Ganzen aber eher zu Gesicht gestanden.


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